Petra Steiner

November: Stille Tage, tiefe Gedanken

25-11_Novembersee (Foto: Ingo Titschack)

Wenn das Kirchenjahr sich dem Ende entgegen neigt.
Der November, früher auch «Nebelung» genannt, ist ein besonderer Monat. Die Far-ben des Herbstes verblassen, die Tage werden kürzer, und oft liegt dichter Nebel über der Landschaft. Es ist die Zeit, in der wir uns wieder nach drinnen zurückziehen – mit Kerzenlicht, heissem Tee und dem prasselnden Feuer im Cheminée. Die Natur wird still, und auch wir Menschen werden ruhiger.




Im Kirchenjahr ist der November geprägt von Gedenktagen und stillen Momenten. Es fehlen die lauten, fröhlichen Feste. Stattdessen erinnern wir uns: Allerheiligen und Allerseelen im katholischen Kalender, Totensonntag (Ewigkeitssonntag) im evangelischen, Re-formationsfest und auch das bei uns in Thalwil beliebte Martinifäscht.

Der Monat November lädt uns Menschen zur Besinnung ein, er lädt uns ein, stille zu werden. Ähnlich wie im Spätherbst die Ernte eingebracht ist, die Tage kürzer werden und das nass-kalte Klima uns Menschen in unsere Behausungen treibt, so kehrt man auch sich selbst verstärkt nach innen und sinniert über das Leben und den Tod, denkt über das eigene Leben und das Leben allgemein nach, über das Werden und Vergehen, über den Wechsel der Jahreszeiten und auch über den Neuanfang.

Es sind Tage des Innehaltens. Wir denken an unsere Verstorbenen, an vergangene Zeiten, an das Leben und den Tod. Der November ist wie der Spätherbst: Die Ernte ist eingebracht, die Natur zieht sich zurück – und wir kehren uns nach innen.

Aber diese stille Zeit ist nicht nur eine Zeit der Trauer, sondern auch der Vorbereitung. Gegen Ende des Monats beginnt die Vorfreude auf den Advent. Wir erwarten Licht, Gemeinschaft und Hoffnung. Das neue Kirchenjahr steht bevor – mit neuen Impulsen und neuen Wegen. Ein biblischer Impuls passt gut in diesen Monat: Psalm 90. Es heisst darin «Herr, du bist unsere Zuflucht von Generation zu Generation. […] Unsere Lebenszeit währt siebzig Jahre, und wenn es hochkommt, sind es achtzig. […] Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.» (Psalm 90, Verse 1.10.12) Dieser Psalm erinnert uns daran, wie kostbar das Leben ist – gerade in seiner Begrenztheit. Er lädt uns ein, mit Weisheit und Dankbarkeit zu leben, und in der Stille des Novembers zu erkennen, dass Gott unsere Zuflucht ist – damals wie heute.

Nutzen Sie den November, um zur Ruhe zu kommen. Lassen Sie sich vom Nebel einhüllen und in Ihre Gedankenwelt entführen. Denken Sie zurück, schliessen Sie ab – und öffnen Sie sich für das Neue, das kommt.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine gesegnete, stille und erwartungsvolle Zeit.
Ihre Pfarrerin Julia Matucci-Gros
Bereitgestellt: 18.11.2025     Besuche: 26 Monat 
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