In der reformierten Kirche Neftenbach befindet sich ei-ne Trilogie von Glasfenstern (1956) mit den Themen «Wer-den – Sein – Vergehen». Im Fenster «Sein» schwebt eine aufgeschlagene Bibel mit den Buchstaben Alpha und Omega über einem Dorf. Daraus fliesst der Segen von Gottes Wort, dargestellt mit weissen Schläuchen, in die einzelnen Häuser. Darunter liest man die Worte LAC ET MEL – Milch und Honig.
Nebst der freien Interpretation des biblischen Bildwortes steckt darin wohl ein feiner Hinweis auf seine Biografie. Max Hunziker wurde am 6. März 1901 in Zürich geboren und wuchs mit elf Geschwistern in Wiedikon als Sohn eines Milchmannes auf. Nach dem Besuch des Lehrerseminars Küsnacht entschied er, ohne an einer Akademie studiert zu haben, Künstler zu werden.
Hunziker ging nach Florenz und nach ein paar Jahren nach Frankreich, unterstützt wurde er vom Winterthurer Mäzen Georg Reinhardt. Er studierte und malte dort in verschiedenen Regionen, die längste Zeit verbrachte er in Paris, wo er zu einem eigenständigen Maler reifte und kurz an einer Akademie Wandmalerei unterrichtete.
In dieser Phase setzte er sich intensiv mit Glasmalereien in Paris, Chartres und Le Mans auseinander. Als der Krieg ausbrach, kehrte er 1939 nach Zürich zurück. Vermittelt durch den Kunsthistoriker Peter Meyer erhielt er den Auf-trag eine Standesscheibe für den Kanton Zürich zu schaffen. Es war der Anfang einer langen Reihe von Glasmalereien für staatliche, kirchliche und private Auftraggeber. Die neun Thalwiler Glasfenster, seine ersten Kirchenfenster, entstanden 1945 bis 1947 zur Eröffnung der wiederaufgebauten Kirche. Der Kunsthistoriker Meyer äusserte sich in der Schweizer Bauzeitung sehr positiv. Sie seien eine Belebung der edlen Nüchternheit des Raumes und stellten etwas durchaus Neues dar. Hunzikers Glasfenster sind – nicht nur in Thalwil – stark inhaltlich betont, seine Figuren, Symbole und typischen Gesichter verweisen auf biblische Geschichten und schaffen vielfältige Bezüge zum eigenen Unterwegssein.
Das Bild von David, dem Psalmensänger, der die Harfe zupft, findet sich in Thalwil, man kann es u.a. auch in der alten Kirche Wollishofen und im grossen Fenster in der Klosterkirche Kappel betrachten. Wie der alttestamentliche Dichter, so war auch der Künstler ein gläubiger und spirituell offener Mensch. Seine biblischen Figuren und Sinnbilder des Lebens weisen zugleich auf jene grössere Wirklichkeit hinter den Dingen hin, die wir nur erahnen können. Wurde er nach der Bedeutung seiner Bilder gefragt, pflegte er zu sagen:
«Nöd fröge, luege.» Was wir sehen, soll in der Thalwiler Predigtreihe auch zur Sprache kommen.
Pfr. Jürg-Markus Meier
Die Predigtreihe dauert vom 12. Juli bis zum 16. August. Die fünf Predigten werden gehalten vom Thalwiler Pfarrteam Julia Matucci-Gros, Jürg-Markus Meier und Galina Angelova. Ferienhalber wird der 19. Juli von Pfr. Wilhelm Schlatter übernommen, er ist Pfarrer in Maur und Künstler.
Am 12. Juli widmen wir uns dem Fenster «Ruth sammelt Ähren». Für die passende Musik sorgen die Kirchenmusikerinnen mit Orgel, Harfe und Flöte.
Predigtreihe im Überblick
Bibelstellen im Überblick
Hier können Sie den gesamten Bibeltext nachlesen.
12.07.2026
Bibelstelle zu «Ruth sammelt Ähren»
19.07.2026
Bibelstelle zu «Baum des Lebens»
02.08.2026
Bibelstelle zu «David spielt vor Saul»
09.08.2026
Bibelstelle zu «Auferstehung – Brot des Lebens», Text folgt im August
16.08.2026
Bibelstelle zu «Petrus – Hahn – Zeit», Text folgt im August