Neuanfang durch Auferstehung
Die Auferstehung von Jesus prägt den christlichen Glauben wie nichts anderes. Diese geschah am Ostermorgen früh. Drei Frauen und Petrus bezeugen: «Das Grab ist leer!»
Es ist unsere Hoffnung als Christ, dass auch wir eines Tages auferstehen werden und aus den Gräbern herauskom-men werden. Wie es im Johannesevangelium heisst: «Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden zur Auferstehung ins Leben.» (Joh 5,28 – 29) Es ist diese Hoffnung, die unser Leben prägt seit den ersten Ostern. Es ist die Auferstehung sicher unsere grösste Hoffnung. Aber es ist auch sonst die Hoffnung, die uns führt auf unserem irdischen Weg. Die Hoffnung, dass aus zerbrochenem Leben wieder Neu-es entstehen kann.
Die Hoffnung lässt uns nicht resignieren, nicht aufgeben, lässt uns dranbleiben, lässt es uns erneut versuchen, lässt uns wieder auf die Beine kommen, lässt uns einen Neuanfang wagen. Die Hoffnung lässt uns suchen, forschen, entdecken. Die Hoffnung prägt uns wie nichts anderes in unserem Leben. Wir sagen nicht einfach: Schicksal. Oder: Da lässt sich nichts mehr machen. Oder: Das muss man hinnehmen. Sicher gibt es in jedem Leben auch Rückschläge, geht nicht immer alles auf, habe ich nicht nur Erfolg. Aber die Hoffnung lässt es mich immer wieder neu wagen. Die Hoffnung entdeckt auch einen neuen Weg, wo ein alter verschüttet wurde, wo etwas zerstört wurde. Die Hoffnung sieht selbst in einer Sackgasse einen Ausweg. Die Hoffnung lässt uns stets optimistisch vorwärtsschauen, statt fatalis-tisch alles hinzunehmen oder geschehen zu lassen.
In anderen Religionen heisst es dagegen Kismet oder Karma. Unser Schicksal ist gottgewollt oder eine Ursache unseres Handelns in diesem oder einem vorangegangenen Leben. Atheisten sprechen von Zufall. Nur der Christ sieht in jedem Ereignis auch die Hoffnung. Hoffnung, wir können sie stärken durch das Gebet, durch das Bibellesen, durch Exerzitien, durch den gemeinsamen Gottesdienst mit Singen. Wir können uns gegenseitig in der Hoffnung unterstützen, uns stärken, helfen. Ostern ist das zentrale Ereignis in unserem Glauben, das Element im christlichen Leben, welches uns ein Leben lang antreibt. Wir geben nicht auf, wir wa-gen immer wieder einen Neu-anfang – mit Gottes Hilfe. Dietrich Bonhoeffer sagte einmal: «Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.»
Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer: «Die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, weil die Liebe Gottes ausgegossen ist in unsere Herzen durch den heiligen Geist.» (Röm 5,5) Als Christ haben wir sozusagen eine ewige Triebfeder. Das Grab ist leer, es ist nicht die Dunkelheit, die uns erwartet. Lasst uns des-halb zu Neuem aufbrechen, lasst uns aufstehen und Gu-tes tun!
Pfr. Kurt Liengme