Mut zur Liebe – 500 Jahre Täuferbewegung

25-05_Leitartikel (Foto: Petra Steiner)

Am Auffahrtstag, dem 29. Mai findet in Zürich, der Geburtsstadt der Täuferbewegung, eine grosse Jubiläumsveranstaltung statt. Täuferinnen und Täufer aus der ganzen Welt reisen an und nehmen an einem vielfältigen Programm teil. Die Wahl des Tagungsortes hat symbolische Ausstrahlung und ist möglich, weil Reformierte und Täufer einen Versöhnungsweg gegangen sind.
Im Reformationsjubiläumsjahr 2019 reisten wir als Familie durch die USA und Kanada und gelangten in ein menonitisches Dorf namens St. Jacobs.

Seit vielen Generationen leben hier Täuferfamilien, die traditionsverbundene Landwirtschaft betreiben und mit Kutschen zum samstäglichen Markt fahren. Im Dorfzentrum befindet sich ein Museum. Betritt man den ersten Raum, so kann man nicht anders als staunen. An der Wand hängt nämlich eine riesige Fotographie vom Grossmünster. Die Botschaft ist klar: Im und um das Grossmünster begann die Geschichte ihrer Vorfahren.

Zürich, Grossmünster, im Jahre 1525: Schritt um Schritt wird in Zürich die Reformation eingeführt. Klöster werden aufgehoben, eine Armenfürsorge aufgebaut, und die Opfermesse wird durch eine schlichte Abendmahlsfeier ersetzt. Doch nicht alles läuft geordnet ab. Mitstreiter von Zwingli nehmen den Reformator beim Wort, dass nämlich der Massstab für christliches Leben allein in der Bibel zu finden sei. Über die Frage nach der rechten Taufe entzündet sich ein heftiger Streit. Die Reformgesinnten fordern gegen die von Zwingli und dem Zürcher Rat verteidigte und angeordnete Kindertaufe die Erwachsenentaufe. Nur ein Erwachsener könne aus freien Stücken bei der Taufe seinen Glauben bekennen und Jesus nachfolgen. Der Forderung folgt rasch eine Tat.

Im Januar 1525 finden in Zürich und in Zollikon die ersten Erwachsenentaufen statt – die Geburtsstunde der Täuferbewegung.

Toleranz und Religionsfreiheit war im Europa von 1525 undenkbar. Von Anfang an wurden die Anhänger der täuferischen Glaubensbewegung vertrieben, verfolgt, diskriminiert oder gar getötet. Die Verfolgten flüchteten nach Mähren, ins Elsass, in die Niederlande und später nach Nordame-rika. An den meisten Orte leben heute noch Nachfahren der «Schweizer Brüder», so auchdie Amischen in den USA.

Erst nach dem Duldungsedikt von 1815 konnten sich Täufer in Zürich und der Schweiz wieder frei niederlassen. Der Prozess der Versöhnung sollte noch länger dauern. Im Jahr 2004 bekannte die Landeskirche in ei-ner Versöhnungsfeier öffentlich ihre Schuld und sagte: «Wir bekennen, dass die damalige Verfolgung ein Verrat am Evangelium war und unsere Väter in diesem Punkt geirrt haben.»

Am Jubiläumstag wird im Grossmünster ein grosser Festgottesdienst stattfinden und zum Austausch einladen. Was die Täufer mitbringen, ist ihr unermüdlicher und glaubwürdiger Einsatz für Frieden und Versöhnung in der Welt. Ihr Engagement im Jubiläumsjahr steht unter dem Motto «Mut zur Liebe». Das möge auch uns Reformierte inspirieren.
Pfr. Jürg-Markus Meier

Veranstaltungen zum Täuferjubiläum:

www.taeufer-willkommen.ch
Bereitgestellt: 02.05.2025      
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