Lichterspur im Advent
Die Adventskränze sind gebunden, geschmückt und verziert – Sonntag für Sonntag wird eine neue Kerze entzündet, Licht um Licht weist hin auf das eine Licht, dessen Ankunft wir an Weihnachten erwarten. Die Lichterspur im Advent ist anregend – sie will uns auf den Weg bringen.
In einem alten Prophetenwort wird von einem grossen Licht erzählt. Es strahlt auf über dem Volk, das in der Finsternis geht. Ein Kind ist es, dieses Licht, ein Sohn, auf dessen Schultern die Herrschaft kommt. Sein Name ist Wunderbarer Ratgeber, Heldengott, Starker, Friedensfürst. Verbunden mit seinem Kommen ist der Friede, der Grenzen überwindet und Raum schafft für Recht und Gerechtigkeit.
Es wird erzählt, wie Jesus in Jerusalem einzieht: auf einem Esel reitend, von der Menschenmenge mit Palmzwei-gen und Hosianna-Gesängen gefeiert. Als antimilitärischer König ohne Waffen und Truppe, so kommt er zum Fest. Ein inszenierter Protest gegen die Waffengewalt der Römer und alle Herrscher, die ihr Volk bis heute unterdrücken.
Am ersten Advent wird die-se Geschichte oft im Gottesdienst gelesen. Ein bekanntes Adventslied kombiniert den Einzug mit der Erwartung des verheissenen Messias. «Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt … ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich, der Heil und Leben mit sich bringt.» Er ist ein König wie eine «rechte Freudensonne». Nicht in einen Palast will er einziehen, sondern will in unser Herz kommen und das Licht unserer Hoffnung neu entfachen.
Es wird erzählt von Maria, einer unangesehenen jungen Frau. An ihr zeigt sich das Wunder aller Wunder, dass Gott das Niedrige liebt. Zu ihr kommt der Engel Gabriel, denn sie ist auserlesen, Mutter des Weltenretters zu sein. Allein darum, weil Gott das Geringe liebt, erwählt und gross macht. In ihrem Loblied singt Maria davon, wie Gott hingesehen hat auf die Niedrigkeit seiner Magd und was das für eine gottesfürchtige Haltung bedeutet. «Mächtige hat er vom Thron gestürzt und Niedrige erhöht, Hungrige hat er gesättigt mit Gutem und Reiche leer ausgehen lassen.»
Wenn wir im Advent Lichter anzünden, so nicht allein um der Dunkelheit etwas Warmes, Erhellendes entgegenzustellen. Sie erinnern und leuchten für die adventlichen Figuren, ihre Wege und Worte. Weihnachten, dieses beliebte Lichterfest ist viel mehr als ein idyllisches Familienfest. Es ist der Beginn einer Umkehrung und Neuordnung aller Dinge. Gott geht im Kind Jesus mitten hinein in die Niedrigkeit der Welt und tut seine Wunder dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Wo die Menschen sagen «verloren» – da sagt er «gefunden»; wo die Menschen sagen «gerichtet» – da sagt er «gerettet».
Dieses Licht, diese Liebe, dieses grosse Geschenk dürfen wir an Weihnachten staunend und dankbar wie die Hirten vom Feld immer wieder emp-fangen und es in uns und unter uns wirken lassen.
Pfr. Jürg-Markus Meier