Petra Steiner

Saporischschja, der Advent und wir

1_kerze_R.Summa (Foto: Rosmarie Summa)

Als bekannt wurde, dass das ukrainische Kernkraftwerk Saporischschja besonders stark unter russischem Beschuss steht, fragte mich ein Bekannter zwischen Tür und Angel: «Was sagst du den Leuten?»
Diese Frage war an den Pfarrer gerichtet, der gerade in Anzug und Krawatte damit beschäftigt war, Liedblätter für einen Gottesdienst im Pflegeheim auszudrucken. An meine Antwort kann ich mich nunweniger erinnern als an die Ruhe, in welcher wir in diesem kurzen Augenblick unseren Austausch gestalteten. Ja, was soll man als Mensch, Christ und «Sprachrohr» Gottes «den Leuten» sagen? Soll ich vom Schutz Gottes sprechen, unter welchem wir trotz allem stehen? Oder soll ich im Gegenteil die Beunruhigung vertiefen, die von einem solch unsinnigen Beschuss ausgeht und wenn nicht die Welt, so doch ganz die europäische Bevölkerung in akute Lebensgefahr stürzt?

Was auch immer ich in ein paar Minuten der Gemeinde sagen würde, wohl eine Mischung aus innerer Anteilnahme und Trost, änderte im Grunde nichts an der Tatsache, dass meine Botschaft wie in jedem anderen Gottesdienst durch meine Person «sickern» muss, damit sie als authentisch und plausibel von der Gemeinde aufgenommen und reflektiert werden kann. Und an diesem Tag der Bombardierung war diese Person … ruhig.

Und so wurde unser kurzer Austausch darüber, was ich in ein paar Minuten «den Leuten» sagen würde, durch Ruhe geprägt. Dem Sinn nach gab ich zur Antwort, dass es in solchen Situationen wichtig sei, dass wir innerlich gesammelt untereinander austauschen, wie wir auf Gegebenheiten wie diese reagieren und was unser Beitrag zur Bewältigung dieses Konfliktes sein könne, und dass ich in diesem Sinne zur Gemeinde sprechen würde.

Mich erinnert dieses Gespräch an die Worte des Apostels Paulus, über die ich ein paar Wochen später predigen sollte: «Stellt eure Glieder Gott zur Verfügung als Waffen der Gerechtigkeit!» (Römer 6, 13). Im Grunde ist ein christliches Leben in dieser Welt gar nicht so schwer: sich als Person einer Gegebenheit stellen und sich gleichzeitig dabei Gott zur Verfügung stellen – so gut es uns gelingen mag, aber authentisch.

Ob meine Antwort damals mein Gegenüber überzeugt hat, kann ich nicht einschätzen. Mir selbst hat das kurze Gespräch die Gelegenheit gegeben, über die Ruhe zu meditieren, in welcher wir uns austauschten. Eine Art Advent in Krisenzeiten: Gott kommt der Welt in Gestalt eines Menschenkindes ganz nah. Warum sollten wir ihm auch in dieser Hinsicht nicht nachfolgen wollen? Auf diese Weise als Kirchgemeinde inmitten einer durch Unruhe gekennzeichneten Zeit unterwegs zu sein, erscheint mir als Theologen kein unwichtiges Zeichen christlicher Nähe in einer Welt zu sein, die sich vom Tagesgeschehen schnell überwältigen und verunsichern lässt.
Pfr. Arend Hoyer
Bereitgestellt: 16.12.2022     Besuche: 14 Monat 
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