Petra Steiner

«Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt»

1_örk (Foto: Lydia Verburg)

Zur 11. Vollversammlung des ÖRK in Karlsruhe – Eine Gruppe aus Thalwil und Horgen war dabei
Ein freundliches und vollmundiges Motto für die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, an welcher vom 31.8. bis 8.9.22 Christinnen und Christen aus der ganzen Welt teilnahmen mit ihren kulturellen, klimatischen und sozioökonomischen Unterschieden, bunt in Kleidung und Stellungnahmen sowie laut in Plenarsaal, Workshops oder im Festzelt. 600 Delegierte aus 250 Kirchen und 120 Ländern zusammen mit rund 3000 Teilnehmenden wie wir, eine Gruppe aus Thalwil und Horgen.
Der Hauptzeck einer solchen Versammlung ist die Wahl der Führungskräfte für die nächsten 8 Jahre. Pfr. Torsten Stelter aus Horgen fasst zusammen, was diesmal den Frischgewählten als Leitplanken ins Pflichtenheft geschrieben wurde:
Neben der Verurteilung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, dem Aufruf zu einem gerechten Frieden im Nahen Osten, der Ächtung von Nuklearwaffen und einer Verurteilung jeglicher Form von Diskriminierung und Rassismus standen vor allem die Folgen des Klimawandels im Mittelpunkt. Die 11. ÖRK-Vollversammlung beschliesst folgendes: «Sie weist die Polarisierung und Trennung der menschlichen Gemeinschaft zurück und beteuert die Verpflichtung, als ökumenische Gemeinschaft zusammenzuhalten und die Bedrohungen und Herausforderungen für den Frieden, die Gerechtigkeit, die menschliche Sicherheit und die Nachhaltigkeit der Umwelt durch Dialog, Begegnung, gegenseitiges Einverständnis und Zusammenarbeit, anstatt durch Ausgrenzung und Konfrontation anzugehen.» Die Abschlusspapiere sind keineswegs Lippenbekenntnisse, sondern nehmen jede einzelne Mitgliedskirche, auch unsere, in die Pflicht mit klaren Forderungen und Handlungsanweisungen. Auch unsere drei H2OT-Kirchgemeinden sind Teil des ÖRK. Lasst unsere Kirchen zu einem safe space werden, indem Begegnung und Dialog möglich sind.
Mich hat der würdige Stil und der wertschätzende Umgangston beeindruckt, mit welchem die Versammlungen geführt wurden – anders würde ein solch uneinheitliches Gebilde auch gar nicht zusammenhalten können.
Selbst wenn sich der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier «als Christ unter Christen» vom ÖRK klarere und theologisch pointiertere Worte an die Adresse der russisch-orthodoxen Kirche gewünscht hätte, fasst Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) die Herausforderung des ÖRK von einer ganz anderen Seite her zusammen: «Es gibt nur diese eine Erde, darum haben die Kirchen keine andere Wahl, als zusammenzubleiben.»
Auch wir aus dem Bezirk waren bunt aufgestellt: Eine ehemalige Mitarbeiterin im ÖRK, die selber bisher an keiner Vollversammlung teilgenommen hatte, ein Theologiestudent, ein ehemaliger Kirchenpfleger, ein aktueller Kirchenpflegepräsident und weitere Interessierte Frauen und Männer, worunter eine Frau aus den Philippinen und eine weitere mit niederländischen Wurzeln. Drei aktive Pfarrpersonen und ein pensionierter Pfarrer runden das Bild ab.
Gleich nach meiner Rückkunft liess ich in einem Gottesdienst im Pflegeheim ein Schottisches Lied singen und immer wieder singen, das mir in den Morgengebeten besonders gefallen hatte. So sehr hatte mich die bunte Welt berührt, die mir in Karlsruhe begegnete. Im Anschluss an den Gottesdienst zog eine Frau mit ihrem Rollator an mir vorbei und sagte: «S’isch würkli idrücklich gsi!»
Ich schliesse mich ihrem Urteil an und beziehe es auf den Gesamteindruck einer für mich wohl einmaligen Erfahrung. Denn wer weiss, wo die nächste Vollversammlung des ÖRK in 8 Jahren tagen wird? Sicher geografisch nicht mehr so nah wie diesmal.

Für die Thalwiler Gruppe
Pfr. Arend Hoyer




Bereitgestellt: 24.09.2022      
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