Petra Steiner

«Kommt mit – und ruht ein wenig aus!»

young-woman-g3240afc71_1920 (Foto: young woman)

Freude, Erholung und Ruhe – gerade jetzt in der heissen Sommerzeit: Das ist dem christlichen Glauben nicht fremd, sondern tief in seinen Grundtexten verwurzelt.
«Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!» Diese Worte sagt Jesus seinen Jüngern in Kapitel 6 des Markusevangeliums. Man könnte stutzen angesichts einer
solchen Anweisung. Denn gewöhnlich mahnt Jesus seine Jünger:innen eher zu Taten, reist mit ihnen von Ort zu Ort.

Sie predigen das Evangelium und nirgends können sie sich in Ruhe aufhalten, weil ihnen das Volk ständig zu Füssen ist. «Ruht ein wenig aus». Wann hat jemand dies zuletzt zu Ihnen gesagt?
Tatsächlich ist dieser Bibelvers in der Perikope für einen Sonntag im Juli oder August vorgesehen. Ein sehr schöner Zufall. Auf eine unaufdringliche Art zeigt der Bibelvers, dass Ferien unserem christlichen Glauben gar nicht so fremd sind. Und auch schon ganz am Anfang der Bibel reflektiert Gott sein Schöpfungswerk. Am siebten Tag, so heisst es, ruhte Gott, als er sein Werk vollendet hatte.

Dieser göttliche Ruhetag ist der Ursprung des Sabbats, der wöchentliche Tag des Ausruhens, bis heute im Judentum bewahrt. Dass Arbeit und Ruhe nicht zusammengehen, wussten schon die Menschen im alten Israel. Daher verbot sich jegliche Arbeit an diesem Wochentag. Es ist keine übertriebene Vorsichtsmassnahme, sondern hat einen tiefen Sinn: Einen Tag völlig frei zu halten von Arbeit und Verpflichtungen eröffnet die Freiheit, sich ganz auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse konzentrieren zu können. Wer die ganze Woche aktiv und betriebsam ist, für den kann ein ganzer Wochentag, an dem man einfach nur nichts machen darf, ein wahrer Moment des Aufatmens und Krafttankens sein. Man könnte sogar sagen: Der Schöpfer zeigt sich auch und gerade in der Entspannung.

Jesus weist seine Jünger zur Erholung an – also sind Erholung und Ferien aus der Perspektive des Glaubens wichtig? Ja, und zwar aus zweierlei Gründen: Einerseits, um mit neuer Kraft und viel Elan Gottes Reich in dieser Welt anbrechen zu lassen, das Evangelium Jesu zu verkünden.

Andererseits, um in der Ruhe sich selbst und Gott zu begegnen. Die Bibel selbst ist voll von vielen Beispielen, in denen Menschen sich ausruhen, meditieren, um in stillen Momenten zu sich selbst und dadurch auch zu Gott finden.

Die Realität zeigt, was vielerorts in den Sommermonaten zu erleben ist: Menschen machen sich auf den Weg, um Freude, Ruhe und Entspannung in den Ferien zu suchen, um dem alltäglichen Trott zu entfliehen, die Sommerhitze zu geniessen und sich selber wieder ein bisschen mehr zu spüren. Wäre es nicht schön, sie würden dabei auch Gott begegnen?

Ich freue mich auf Ihre Sommerlebnisse als Postkartengrüsse, in denen Ihnen Gott begegnete. Senden sie diese an Pfrn. Julia Matucci-Gros, Schwandelstrasse 28, 8800 Thalwil.

Herzliche Sommergrüsse, Ihre
Pfrn. Julia Matucci-Gros
Bereitgestellt: 19.07.2022     Besuche: 19 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch
Datenschutz
Impressum