Denise Bartholdi

Der Trost der Musik

Der Trost der Musik <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;Gabriela&nbsp;Sch&ouml;b,&nbsp;Kantorin)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>576</div><div class='bid' style='display:none;'>7054</div><div class='usr' style='display:none;'>562</div>

Als Chorleiterin bin ich immer wieder auch in Situationen gefragt, wo Seelsorge nötig ist.
Als Chorleiterin bin ich immer wieder auch in Situationen gefragt, wo Seelsorge nötig ist. Ich frage meine Chorleute nicht aus, versuche in zugewandter Distanz zu ihnen zu sein und doch ist es klar, dass gerade auch durchs gemeinsame Musizieren und das Vertrauen, das dadurch entsteht, Lebensumstände bekannt oder mir direkt erzählt werden, die eine besondere seelsorgerliche Präsenz erfordern. Da erkrankt ein Elternteil eines Kindes schwer und plötzlich verstummt dieses oder dreht in den Proben auf, ist kaum in der Gruppe zu halten. Manchmal tut ein Gespräch unter vier Augen wohl, manchmal braucht es auch nur etwas höhere Präsenz dem Kind gegenüber. Kein Reden, kein Problematisieren, aber das Signalisieren: «Ich bin da, ich nehme dich wahr, ich mag dich, auch wenn du grad unruhig oder frech bist.»
Ein Musikschulkommissionsmitglied, eine erfahrene Pädagogin, hat bei ihrem jährlichen Unterrichtsbesuch eine solche Situation, die rein wortlos stattfand, beobachtet und danach kommentiert, das eine Kind wäre wohl nicht ganz einfach in der Gruppe zu halten. Ich sagte, wir hätten eine lange, nicht immer einfache Geschichte miteinander, aber wir könnten mittels Blicken gut miteinander kommunizieren und es funktioniere mittlerweile sehr gut. Darauf die Besucherin lapidar: «Ja, Reibung erzeugt eben Wärme.» Das umreisst genau die Situation, und das sind Dinge, die sich wohl im Disziplinarischen äussern, die aber eigentlich eine seelsorgerliche Reaktion fordern.
Als Chorleiterin bin ich nicht in erster Linie Seelsorgerin, es ist wie beim Blick durch ein Fernglas. Manchmal sehe ich meine Sängerinnen und Sänger in einiger Distanz als Gruppe – plötzlich tritt jemand daraus hervor, rückt ins Bild, kommt näher. Jugendliche leiden an Magersucht, Erwachsene werden krank an Körper oder Geist. Ich erfahre eine Geschichte aus dem Leben eines Menschen, höre zu, vor allem das. Manchmal versuche ich Beratung zu vermitteln, selbst etwas zu raten, nachzufragen, zu trösten, dann nach und nach geht diese Person wieder ins Chorrund zurück. Es kann sein, dass einige Monate gar nichts geschieht und plötzlich treten wieder andere Menschen an mich heran mit Sorgen und Nöten. Die Musik, die Kolleginnen und Kollegen im Chor, das gemeinsame Singen, hoffentlich auch die Chorleiterin, helfen ihnen, damit umzugehen.
Gabriela Schöb, Kantorin
Bereitgestellt: 29.04.2021     Besuche: 29 Monat 
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