Denise Bartholdi

20 Minutenseelsorge

20 Minutenseelsorge <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;www.pixabay.com)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>576</div><div class='bid' style='display:none;'>7053</div><div class='usr' style='display:none;'>562</div>

Aus dem Alltag eines Psychiatrieseelsorgers oder die Frage, worauf es wirklich ankommt.
Über zwölf Jahre war ich Psychiatrieseelsorger im Sanatorium Kilchberg. Oft stand ich unter Zeitdruck. Einmal fragte mich ein junger Mann: «In 20 Minuten habe ich ein Arztgespräch. Ich zweifle am Sinn des Lebens, kann ich mit Ihnen sprechen?» Natürlich hätte ich auf einen Termin bestehen können. Ich nutzte aber das mir gebotene Zeitfenster für ein Gespräch, zu dem dieser Mensch gerade jetzt bereit war.
Man sagt, Seelsorge sei vor allem zuhören. Ich stimme zu. Zuhören heisst für mich: Ich lasse mich selbst ganz auf mein Gegenüber ein, ergreife ganz für sein Anliegen Partei und versuche, der Verzweiflung, die mir begegnet, nicht auszuweichen. Als Psychiatrieseelsorger habe ich gelernt, dass die Seele alles unternimmt, damit wir gesund werden. Sie geht soweit, dass sie uns beispielsweise in den Schutzmantel einer Depression hüllt, wenn wir uns in eine Sackgasse verrannt haben. Dann gilt es auf das zu hören, was uns die Seele schon lange hat «sagen» wollen. Und dieses Selbstgespräch durch aktives Hinhören zu unterstützen, kann dann die Aufgabe von Seelsorge sein.
Im H2OT-Seelsorgekurs, den ich in diesen Herbst wieder anbieten möchte, geht es darum, diese Dimension des Hin-hörens zu erfassen und dabei die Selbstwirksamkeit der Seele zu unterstützen. Ob und wie häufig dies effektiv gelingt, … liegt in anderen Händen. Auch das ist Seelsorge. Messbar ist der Erfolg von Seelsorge aber gleichwohl, z.B. wenn unser Gegenüber entspannt und für einen Augenblick zuversichtlich auf seinen nächsten Termin zugeht wie der junge Mann im Sanatorium. Soweit zur «Ambulanzseelsorge», wie es ein Theologe aus Afrika einmal genannt hat. Seelsorge geht auch vor der Migros. Ein Gespräch, in welchem ich mich heute das erste Mal richtig wohl, weil verstanden gefühlt habe! Eine kleine Auferstehung, die uns manchmal auch in weniger als 20 Minuten geschenkt wird.
Pfr. Arend Hoyer
Bereitgestellt: 29.04.2021     Besuche: 33 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch
Datenschutz
Impressum