Denise Bartholdi

Befreiung

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Von der globalen Wirkung der individuellen Auferstehung eines Menschen.
Es ist noch nie einfach gewesen, sich öffentlich für eine gute Sache einzusetzen. Neben den öffentlichen Medien sind es zurzeit die sogenannt sozialen, die einem diesbezüglich das Fürchten lehren. Schon zur Zeit Jesu funktionierten solcherlei Netzwerke recht gut. Tausende folgten spontan einem nicht näher begründeten Aufruf und scheuten sich nicht, anonym aus der Masse heraus Steine zu werfen. Was zurzeit in Form von Morddrohungen einem unserer Bundesräte widerfährt, widerfuhr Jesus und mit ihm unzähligen Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. Auf diese Weise sind schon viele selbstbewusste und überaus gewinnende Menschen von der Bildfläche verschwunden.
Wurde auch Jesus Opfer einer Verschwörung? Ja, weil es in unserer Natur zu liegen scheint, Störenfriede aus der Welt zu schaffen. Nein, weil Jesus wusste, was er tat, und dadurch gerade nicht zum Opfer wurde: Er begegnete ganz persönlich und frontal unseren Abgründen, durchdachte und durchmass seine eigene Leidenszeit und sprach wiederholt darüber. Er liess es nicht mit sich geschehen, sondern richtete die Aufmerksamkeit seiner Zeitgenossinnen und -genossen auf sein Leiden als Weg zur Überwindung eines ganz anderen Leids, nämlich der Not an der individuell wie kollektiv erlebten Überforderungen, in welche sich die Menschheit permanent hineinmanövriert und welche sie genauso angestrengt zu vertuschen bemüht ist. Diese Not entlädt sich bisweilen in blinder Wut und verstärkt dabei nur noch die allzu vertraute Erfahrung der eigenen Ohnmacht, Orientierungslosigkeit und Angst.
Der Hohn, mit welchem weltweit Bewegungen für Demokratie und Menschenrechte, aber auch die Untätigkeit, mit welcher dem Schwinden biologischer Vielfalt auch bei uns begegnet wird, sind Ausdruck solcher mentalen Sackgassen. Was Jesus dagegen unternahm, ist kein mythischer Kampf gegen Titanen, sondern Ausdruck seiner individuellen Freiheit, sich mit Gott gegen das Gesetz mentaler Zwänge zu stellen. Er setzte dabei alles aufs Spiel, ausser das Vertrauen in seinen himmlischen Vater, litt heftige Qualen auch der Einsamkeit und starb.
Doch allen Medien und Netzwerken zum Trotz, nichts überzeugt so sehr wie individuell wahrgenommene Verantwortung. Darum wundert es mich nicht, dass die Seinen Jesus auch nach dem Begräbnis in aller Klarheit real vor sich sahen und sich von ihm in alle Welt schicken liessen. Jesu Auferstehung hat nicht die Naturgesetze ausser Kraft gesetzt, sondern nachhaltig unsere Sicht über Leben und Tod durcheinandergebracht und unsere tiefsten Gewissheiten erschüttert: Nicht einmal mehr der Tod gilt als sicher! Und diese nicht mehr wegzudenkende Verunsicherung lässt uns seit jenem Ostermorgen den Geruch der Freiheit vernehmen, zum Wohl der ganzen Welt.

Pfr. Arend Hoyer
Bereitgestellt: 26.03.2021     Besuche: 58 Monat 
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