Denise Bartholdi

«keim wort keim!» – zum 100. Geburtstag von Kurt Marti

Schreibmaschine <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;www.pixabay.com)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>576</div><div class='bid' style='display:none;'>6953</div><div class='usr' style='display:none;'>562</div>

Der Berner Schriftsteller und Pfarrer Kurt Marti wäre am 31. Januar 2021 100 Jahre alt geworden. Sein Leben lang stand er im Dienst am Wort, sei es als engagierter Pfarrer oder sprachschöpferischer Schriftsteller.
Was mich an Kurt Marti beeindruckt? Es ist diese Art, wie er sich mit seinen Texten einbrachte. Jahrzehntelang hat er zu politischen, gesellschaftli- chen und kirchlichen Themen Stellung bezogen. Dabei ging es ihm selten darum, Recht zu haben, ja, das Rechthaberische war ihm, dem humorvollen, kreativen und kritischen Zeitgenossen fern. Vielmehr verstand er sein Schreiben als Gespräch und als Einladung zu einem Dialog. Das Dialogische gehört für Marti we- sentlich zu einer glaubwürdigen Theologie und zu seinem Gottesbild. Der sprachfähige Mensch, vom Schöpfer zu seinem Ebenbild geschaffen, ist kein Befehlsempfänger, sondern ist berufen das Gespräch unter Menschen und mit Gott zu pflegen.
«keim wort keim!» – so lauten die ersten drei Wörter eines Gedichts mit dem Titel «Gottesdienst». Wohl ist damit auch der Gottesdienst im Alltag der Welt gemeint. Wörter, die keimen, wollen aufgehen und Frucht bringen. Schön klingen allein genügt nicht. Diese Wörter sollen sich einmischen und etwas wagen. Wenn nötig, sollen die Wörter widersprechen. Ein Gespräch darf Streitgespräch werden. Jesus kam in diese Welt, um «anzuzetteln den himmel auf erden» dichtet Marti in seiner Variation des Unser Vaters.
Der Logik der Vergeltung und der Macht widersprechend, lebte Jesus die Liebe und übte das Teilen. Seine Worte öffnen Wege zu Gott und zu den Menschen. Sie machen Mut zum Widerspruch, wo es um das Humane geht. Darum: Seine Worte mögen keimen. «keim wort keim! – klimm in köpfe – kriech durch körper – knet den kummer – kitt was klafft – kämpf wos klemmt – klär das kreuz – krön mit kraft!»

Pfr. Jürg-Markus Meier
Bereitgestellt: 26.02.2021     Besuche: 32 Monat 
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