Denise Bartholdi

Seid barmherzig ... – Gedanken zur Jahreslosung 2021

landscape <span class="fotografFotoText">(Foto:&nbsp;www.pixabay.com)</span><div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>576</div><div class='bid' style='display:none;'>6890</div><div class='usr' style='display:none;'>562</div>

«Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist» (Lukas 6,36) – so lautet die Jahreslosung für 2021. Sie stammt aus der Feldrede des Lukas und lädt uns ein, mit diesem Bibelwort ein Jahr lang unterwegs zu sein. Es fällt in eine Zeit, die geprägt ist von Unsicherheit und dem Wunsch nach befreiter Normalität.
Die Corona-Pandemie wirft ihre dunklen Schatten auf die ganze Welt und zwingt zu Vorsicht. Wir können nicht mehr so frei leben, müssen in der Öffentlichkeit gar eine Maske tragen und Rücksicht nehmen auf Schwächere. Das ist für viele ein Ärgernis, für andere ist es das Gebot der Stunde, das soziale und kulturelle Leben einzuschränken. Gerade diese Pandemie zeigt aber, dass die Schwachen und Schutzlosen stärker vom Virus bedroht sind. Was sich weltweit ereignet, gilt auch in der Schweiz. Die Corona-Krise verschärft die Armut und kann in existenzielle Not führen. Davor sollten wir die Augen nicht verschliessen, sondern die Not des anderen sehen, uns einfühlen und fragen, wie es dem anderen geht.
Der Aufruf, barmherzig zu sein, ertönt nicht, um uns ein schlechtes Gewissen zu machen, sondern um uns ein Gewissen zu machen. Das eigene Gewissen lernen heisst, sich von Gottes Güte inspirieren zu lassen. Wir kommen von Weihnachten her, von jener Geschichte, die von der Geburt Jesu erzählt. Gott wird in Jesus Mensch und wird uns zum Nächsten. Diese Mitmenschlichkeit ist sein grosses Geschenk. Darin zeigt sich seine Liebe und Barmherzigkeit. Er nimmt uns an, wie wir sind und will uns nicht aus den Augen verlieren. Dies lässt uns dankbar sein und gibt uns Zuversicht für unsere Schritte im kommenden Jahr, auch wenn sie zum Teil beschwerlich sind. Der Aufruf, barmherzig zu sein, steht im Lukasevangelium in einer Rede, in der Jesus zu Feindesliebe und Gewaltverzicht aufruft. Das führt in die tiefe Dimension von Barmherzigkeit. Gefragt ist zum einen unsere Vernunft, die sich Wege ausdenkt, wie aus Feindschaft konkret Frieden, wie aus egoistischem Konkurrenzkampf respektvolle Zusammenarbeit werden kann. Gefragt ist zum anderen das mitfühlende Herz, es motiviert uns zum Geben, zum Trösten, zur solidarischen Tat. Barmherzigkeit ist also nicht naiv, sondern regt an, gewissenhaft Anteil zu nehmen. Sie ist eine solidarische Haltung und zielt nachhaltig auf Gerechtigkeit hin.
In einem treffenden Bild hat das der Theologe Eduard Schweizer einmal so gesagt:
«Der Mensch gleicht dem Flussbett, durch das das Wasser der Güte Gottes fliesst. Darum wird auch nicht sofort zum Gebet oder zu einer religiösen Sonderleistung aufgerufen. Aber selbst ein Flussbett wird verändert durch Wasser, das es durchfliesst. So will das Leben der Güte Gottes den Menschen öffnen zum Beten und zum praktischen Tun dessen, was sich angesichts auch einer feindlichen Welt aufdrängt, zu einem sorglosen und gerade so echt besorgten Leben, nicht zu patronisierender christlicher Liebe.»
Pfr. Jürg-Markus Meier
Bereitgestellt: 31.12.2020     Besuche: 13 Monat 
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