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Petra Rüdisüli

Konzernverantwortungsinitiative – gefordert ist eine verantwortungsvolle Unternehmensethik

waterfall-384663_1920 —  https://pixabay.com/de/photos/wasserfall-regenwald-wald-natur-384663/<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>600</div><div class='bid' style='display:none;'>6798</div><div class='usr' style='display:none;'>89</div>

Am 29. November 2020 kommt die im Oktober 2016 eingereichte Konzernverantwortungsinitiative (KOVI) zur Abstimmung. Schweizer Konzerne sollen auch mit ihren ausländischen Töchtern internationale Umwelt- und Menschenrechtsstandards einhalten und bei Verfehlungen dafür haften.
Im März besuchte ich eine pro- und contra Diskussion zur KOVI. Als Befürworter argumentierte der Unternehmer Dieter Pestalozzi, die Seite der Gegner wurde vom in der Zwischenzeit leider verstorbenen Ethikprofessor Markus Huppenbauer vertreten. Unbestritten ist bei beiden die sogenannte Sorgfaltsprüfung, strittig ist vor allem ein Punkt: die Haftung bei Umweltschäden oder Verletzungen der Menschenrechte.

Solche Fälle sind bekannt und nicht zuletzt durch die Hilfswerke seit Jahrzehnten gut dokumentiert. Menschen die geschädigt wurden, sei es z.B. durch Verschmutzung ihrer Lebensräume oder durch Landvertreibung, sollen hier, am Ort des Hauptsitzes des Konzerns, Klage einreichen können. Aus Sicht der Wirtschaft mache das gemäss Pestalozzi Sinn, denn rücksichtslos agierende Konzernvertreter schaden dem Ruf der Schweizer Wirtschaft und vor allem dem Image der Konzerne. Die von der KOVI vorgeschlagene Regulierung sei unternehmerfreundlich, sie schütze die heute schon verantwortungsvoll agierenden Wirtschaftsakteure vor den schwarzen Schafen, die skrupelloses Verhalten in Kauf nehmen. Eine solche Regulierung baue zudem auf einem internationalen Konsens auf, der eine umfassende Sorgfaltsprüfung vorsieht.

Der Ethiker Huppenbauer sieht gerade in den Regulierungen das falsche Instrument. Er befürchtet, dass bei Schadensfällen nicht mehr nach einer Lösung vor Ort gesucht wird. Juristen würden dann das Ruder übernehmen und ein wasserdichtes Argumentarium aufbauen. Es drohe eine Verrechtlichung und ein Expertenstreit. Beide Referenten sind sich darin einig, dass es nebst wirtschaftlichen Aspekten auch um die Menschenrechte geht, die noch besser verankert werden müssen. Das ist auch der Ansatz vieler Kirchen und Hilfswerke, die sich für die Befürwortung der KOVI positioniert haben und als Hauptargument auf den Schutz der Menschenrechte und der Schöpfung verweisen.

Die reformierte Kirchenpflege Thalwil und das Pfarramt möchten bewusst keine Abstimmungsempfehlung abgeben, sondern laden ein zu einem Gesprächsforum. Wir möchten dort die Hintergründe und die Tragweite der Initiative erörtern und diskutieren, damit jeder und jede zu einem überlegten Entscheid für oder wider die Initiative gelangt. Das scheint uns nach reformierter Praxis des eigenverantwortlichen Denkens der richtige Weg.
Pfr. Jürg-Markus Meier


Bereitgestellt: 21.09.2020     Besuche: 75 Monat 
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