Aktuelle Berichte

Monika Deuber

JugendWG Schwandelstrasse

IMG_7497 Kopie<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>264</div><div class='bid' style='display:none;'>6748</div><div class='usr' style='display:none;'>33</div>

Diesen Bericht schreibe ich mit einem weinenden Herzen, denn er ist der Abschluss des JugendWG-Projekts. Wir alle wussten, dass wir Ende Juni 2020 das Haus wieder freigeben müssen. Nun ist es soweit.
Patricia Keller,
Schon immer hatte ich von einer beruflichen Möglichkeit wie dieser geträumt. Als ich nach meiner Konzeptarbeit tatsächlich die Zusage für das Pfarrhaus an der Schwandelstrasse bekam, wusste ich, dass viel Arbeit aber noch mehr Freude auf mich zukommen würde. Unter den Jungen sprach es sich schnell rum, dass „Patty“ ein Haus für 7 Personen hat und so war es dann auch schnell gefüllt. Bedingungen waren: Man sollte dem christlichen Glauben verbunden sein, sich bei der reformierten oder katholischen Kirche engagieren (z.B. in der Jugendarbeit) und nicht zu viel verdienen. Ausserdem verpflichtete man sich dazu, an den regelmässigen WG-Sitzungen teilzunehmen.
In den Weihnachtsferien 2017 zogen die ersten drei BewohnerInnen ein. Viele erinnern sich wohl noch daran, wie es gleich «losging». Zum Leidwesen der Nachbarn und er Polizei wurde erst mal richtig gefeiert und alle Regeln wurden gebrochen. Zum Glück hatten die Betroffenen immer wieder viel Geduld mit den Jugendlichen.
Anfang 2018 war das Haus voll und wir konnten beginnen an der JugendWG zu arbeiten. Was bedeutete das? Im Konzept hatten wir folgendes Ziel gesetzt:
Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen lernen ihren Alltag selbstständig und eigenverantwortlich zu bewältigen. Die WG bietet die Möglichkeit soziale Fähigkeiten, Beziehungsfähigkeiten und Konfliktfähigkeiten zu erlernen und/oder weiterzuentwickeln.
Für die reformierte Kirche ist es eine Möglichkeit mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen/bleiben.
Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, ob wir die Ziele erreicht haben. Dazu müssten die WG- BewohnerInnen ihre Meinung abgeben. Sicher ist aber, dass wir alle diese Zeit nie mehr vergessen werden. Die meisten lebten zum ersten Mal ausserhalb des Elternhauses. Nun hiess es, alles was dazu gehört, selbst in die Hand zu nehmen und zum Beispiel festzustellen, dass man neben Lebensmittel auch Putzmittel, Waschmittel und Klopapier kaufen muss. Budgets wurden umgestellt und angepasst. Verzicht und Achtsamkeit waren angesagt.
Bei 7 Leuten in einem Haus war es auch unumgänglich, an den sozialen Kompetenzen zu arbeiten. Der Ämtliplan wurde Bestandteil der wöchentlichen Sitzungen. Regeln wurden immer wieder neu definiert und nicht immer waren alles glücklich über die vereinbarten Kompromisse. Wir stellten uns den Konflikten. Es gab Momente, in denen wir zusammen weinten, das Leben hinterfragten, die Zukunft unklar schien und die Hilfe von anderen Fachleuten oder einem Seelsorger notwendig wurde.
Doch viel öfter lachten wir miteinander, kochten, assen, feierten, philosophierten, diskutierten über Gott und die Welt, tauschten uns aus, formulierten Visionen, mähten den Rasen, putzten das Haust, rannten vor den Spinnen davon, zupften das Unkraut vor der Garage aus, gestalteten den Hobbyraum um, spielten UNO , usw.
Ausserdem waren wir immer wieder zusammen unterwegs. Da waren zum Beispiel der Anlass „Kreuz und Quer“ mit einem Tages-GA von einer Stadt zur nächsten, das Snowweekend, Europapark, Photoshootings, zelten, Besuch einer christlichen WG in Effretikon, Start der Weihnachtsbeleuchtung in Zürich, Autofahrstunden (armer Paul), IKEA-Ausflüge, Möbelbesorgungen...
Gerne erinnere ich mich an die Mitarbeit der WG-BewohnerInnen in den JuKi-Angeboten und in all den verschiedenen Lagern. Alle investierten viele Stunden freiwillig für die Jugend in Thalwil und wurden so grosse Vorbilder für die JuKi-TeilnehmerInnen.
Natürlich kam ich auch in Kontakt mit den Freunden, Bekannten und Verwandten der WG- BewohnerInnen. Eine Chance, die ich sehr schätzte. So war es mir möglich noch mit mehr jungen Menschen Beziehungen zu knüpfen, was ja eines der Hauptziele des WG-Projektes war.
Einige Male wurden wir angefragt, ob wir einen jungen Menschen in Not vorübergehend aufnehmen können. Diese Anfragen wurden in den Sitzungen besprochen und ich bin stolz darauf, wie offen und herzlich die jungen Menschen sind. Nie wäre es eine Option gewesen, jemandem nicht zu helfen, auch wenn es zum Teil wirklich schwierig wurde. Ich erlebte in diesem Sinne häufig, dass diese jungen Menschen „Christsein“ leben und bin so stolz auf jeden einzelnen.
Die jungen Menschen liessen mich in ihr Herz und vertrauten mir. Dank ihnen war meine Arbeit nicht nur ein Job , sondern wurde eine Herzensangelegenheit.
Ich bin dankbar für das Vertrauen der Kirchenpflege, dafür, dass sie den mutigen Schritt wagte, etwas für die jungen Menschen anzubieten. Alle konnten mit diesem Projekt wichtige Erfahrungen für ihr Leben machen, das schätze ich unglaublich.
In diesem Sinne versuche ich nicht traurig zu sein darüber, dass es fertig ist, ich versuche glücklich zu sein, dass ich all dies erleben durfte.

Patricia Keller
Bereitgestellt: 22.06.2020     Besuche: 78 Monat 
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