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Petra Rüdisüli

Der Heilige Geist auf Wohnungssuche

red-3446714_640_klein —  https://pixabay.com/de/photos/rot-rote-mohnblume-mohn-feld-3446714/<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>600</div><div class='bid' style='display:none;'>6730</div><div class='usr' style='display:none;'>89</div>

Das Pfingstwunder erzählt, wie der Geist Menschen aus verschiedenen Sprachen und Kulturen ergreift und jeden das Evangelium in seiner eigenen Sprache hören lässt. Modern gesprochen ist dieses Erlebnis ein Wunder der Kommunikation. Nicht einmalig, sondern für immer. Geistvermittelt wächst nicht nur eine neue Gemeinschaft, sondern im Geist will Gott uns Menschen gegenwärtig sein.
Seit Pfingsten musste man Jesus nicht mehr mit eigenen Augen sehen. In Erfahrungen des Geistes ist er für immer gegenwärtig. Oder mit einem Bild ausgedrückt: Der Heilige Geist will in allen Menschen wohnen. Er ist darum ständig auf Wohnungssuche. «Gott wohnt in uns durch seinen Geist», sagte Zwingli. Und der innere Mensch, das Herz, ist der Ort an dem Gott mit uns spricht. Wir spüren es, wenn er unser Herz berührt und in uns Einsicht reift: So vieles, was wir haben, ist Geschenk, es könnte ja auch ganz anders sein. Wenn wir in unserem Herzen erkennen, was wir verbessern möchten und wo wir in Schuldzusammenhänge verstrickt sind.

Besucht Gott unser Leben als seine Wohnung, dann stellt er viele Mängel fest und konfrontiert
uns durch seinen Geist mit unseren Schattenseiten. Wir sind und bleiben renovierungsbedürftig. Trotzdem will er in uns wohnen, sogar bevor die Renovierung begonnen hat. Er bezahlt dafür eine Miete, mehr noch: Er bietet uns etwas, was unbezahlbar ist. Er bietet uns ewige Gemeinschaft mit Christus und Freiheit.

«Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit » 2. Korinther 3,17

Pfingsten erinnert daran, dass wir im Glauben alle Trägerinnen und Träger des Geistes sind. Im Wohnungsbild ausgedrückt: Wo Gott in einen Menschen einzieht, muss er seine Wohnung für andere öffnen. Die Kirche gleicht dann einer Wohngemeinschaft. Jedes Zimmer darin ist einzigartig, hat eine eigene Farbigkeit und ist ein Unikat. Und jeder und jede bringt die persönlichen Begabungen ein: im Zuhören, im Reden, im Schreiben, im Kochen, im Gestalten, im Glauben, im Musizieren. Es ist gerade
die enorme Verschiedenartigkeit, die ein liebevolles Miteinander möglich macht und einen Raum kreativer Freiheit entstehen lässt. In der kirchlichen WG finden auch Menschen einen Platz, die uns fremd erscheinen, ihre Andersartigkeit kann als Bereicherung und Ergänzung erfahren werden.

Wenn in allen Christen der Geist Gottes wohnt, dann wächst das Vertrauen, dass man die Kirche
gemeinsam leiten kann. Keiner muss hier über den anderen herrschen, wie in einer WG sitzt man um einen Tisch, isst und trinkt zusammen und findet im Dialog die gültigen Entscheidungen.
Und doch gilt: Gott ist stets grösser als die sichtbare Kirche, denn diese ist noch immer unterwegs zu ihrem Ziel. Er ist auch grösser als unser Herz. Trotz unserer Defizite will er in uns wohnen und wirken. Sein Geist gibt jedem Menschen die Möglichkeit mitten im Leben noch einmal neu anzufangen. Seine
Gegenwart nennen wir den «Heiligen Geist».
Und Pfingsten ist sein Fest.

Pfr. Jürg-Markus Meier
Bereitgestellt: 20.05.2020     Besuche: 46 Monat 
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