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Petra Rüdisüli

Ostergelächter

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Eine alte christliche Tradition stellt das Ostergelächter dar. Gegen das Vergessen und für eine Erneuerung dieser österlichen Haltung plädiert der Theologe und Publizist Jörg Zink (1922 – 2016).
Jürg-Markus Meier,
Er schreibt: «Die Osterzeit war früher beherrscht von lärmender Begeisterung. Man stimmte in den Gottesdiensten – wer würde heute so etwas riskieren? – ein langes, breites Gelächter an, das sogenannte Ostergelächter, mit dem man seiner Überlegenheit über Tod, Teufel und alles Böse
Ausdruck gab.
Ein altes Lied in der Bibel beginnt mit dem Vers: ‹Allen Mächten zum Trotz will ich singen›. Und allen Mächten zum Trotz haben früher die Christen ihr Gelächter angestimmt. Wer sollte ihnen nach Ostern noch gefährlich werden? ‹Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein›, fragten sie. Und diese kämpferische Überlegenheit ist die Stimmung, die der Zeit nach Ostern am genauesten entspricht.
Was mich an der gegenwärtigen Auseinandersetzung um die Osterfrage in unseren Kirchen und um sie her stört, ist nicht so sehr, dass Ostern viele für eine Legende halten – das ist ihre Sache –, sondern dass die, die Ostern besser kennen, zu keinem befreienden Gelächter, keinem Humor und darum auch zu keiner wirklichen Überlegenheit fähig sind. Dass es so langweilig zugeht. Dabei liegt in der ‹fröhlichen Osterzeit› – wie man so sagt – eine uralte Erfahrung, die Sie heute wie eh und je machen können.

Es ist doch bemerkenswert, dass die zuversichtlichsten Leute keineswegs immer die sind, denen es am besten geht. Im Gegenteil. Da gerät einer in Angst, da verliert er alle Chancen und Hoffnungen, und auf einmal, an der äussersten Grenze, wo er eigentlich verzweifeln müsste, kommt eine ganz seltsame Gelassenheit über ihn, die ihm selbst so neu und fremd ist. Er sagt allen Mächten zum Trotz: ‹Ja, das nehme ich an. Und auch mich selbst in meiner ganzen Armseligkeit. Es ist gut, wie es ist. Ich danke Gott dafür›. Und er macht die Erfahrung, dass dabei Kräfte ins Leben hereinkommen, die vorher nicht drin waren.
Jesus, der sein Leben lang mit dem Elend zu tun hatte, sagte: Wenn du nicht aus noch ein weisst, dann, genau dann, lass alle Sorgen fahren. Wenn du völlig verlassen bist, dann rechne damit, dass dich einer behütet.

Eine fröhliche Osterzeit wünschen wir einander nicht, weil die Welt so schön ist, sondern weil es eine Überlegenheit gibt über alles Dumme und Gefährliche in ihr. Und mit uns selbst finden wir uns nicht deshalb ab, weil wir prächtige Menschen sind, sondern weil ein anderer uns bejaht. Der Humor geht ja denn auch am leichtesten dem verloren, der am hartnäckigsten von sich selbst überzeugt ist. Sich selber nicht gar so wichtig nehmen, damit könnte es anfangen. Ein Ostergelächter auch einmal über sich selbst anstimmen, das könnte einen Versuch wert sein.
Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen jetzt im Frühjahr, ein paar Takte davon gelingen.»
Jörg Zink (aus: Dem Herzen nahe, Eschenbach 2002)
Bereitgestellt: 20.03.2019      
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