Aktuelle Berichte

Petra Rüdisüli

Ringen um Reformen, mehr Offenheit bei der Taufe

Synode - 20160600 Sitzungssaal<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>480</div><div class='bid' style='display:none;'>5334</div><div class='usr' style='display:none;'>89</div>

Mit der Sitzung vom 3. April hat die reformierte Kirchensynode die Beratung der Teilrevision der Kirchenordnung begonnen. Die Kirchenordnung definiert die Grundzüge des kirchlichen Lebens der reformierten Landeskirche und ihrer Kirchgemeinden. Entsprechend engagiert wird um einzelne Artikel gerungen.
Mediencommuniqué vom 3. April 2018,


Neu erfunden wird die reformierte Landeskirche des Kantons Zürich nicht. Ihre Kirchenordnung, die
in ihrer revidierten Form 2010 in Kraft trat und für alle Kirchgemeinden des Kantons massgeblich ist, bleibt in ihren Grundzügen auch künftig bestehen. Die Kirchensynode hat nun aber damit begonnen, in einer Teilrevision einzelne Bestimmungen zu überarbeiten. Notwendig ist eine Teilrevision aus mehreren Gründen: Einerseits erfordert der Prozess KirchGemeindePlus gesetzliche Anpassungen, damit sich Kirchgemeinden zu grösseren Einheiten zusammenzuschliessen und ihre Kräfte besser bündeln können. Andererseits müssen einzelne Bestimmungen an das übergeordnete Recht angepasst werden. Ausserdem soll die Teilrevision auch dazu genutzt werden einige neue Regelungen für die Gestaltung des kirchlichen Lebens einzuführen – beispielsweise bei Taufe, Trauung und Abdankung.

Das Kirchenparlament nutzte die Eintretensdebatte, um die Reformziele grundsätzlich einzuordnen
– und je nach Fraktion und Kirchenbild unterschiedlich zu bewerten. Mehrere Synodemitglieder
kritisierten dabei, dass die Teilrevision die Anliegen der grossen Gemeinden zu sehr favorisiere und
die kleinen stärker unter Druck gerieten. Einzelne Votanten plädierten deshalb dafür, gar nicht erst
auf die Vorlage einzutreten. Dem Rückweisungsantrag folgten allerdings nur 11 Synodale. 84
stimmten für Eintreten. Wichtiges Argument, die Teilrevision jetzt zügig anzupacken, war für die
meisten Synodalen der in der Stadt Zürich bereits weit fortgeschrittene Reformprozess. Die Teilrevision sieht hierfür einige neue Bestimmungen vor. Dem Zusammenschluss der 32 stadtzürcherischen Kirchgemeinden zu einer Kirchgemeinde hatte die Kirchensynode am 16. Januar dieses Jahres mit grossem Mehr zugestimmt.

Taufe nur im Gemeindegottesdienst?
In der Detailberatung nahm sich die Kirchensynode viel Zeit für Artikel 46, der die Gestaltung der
Taufe regelt. Nach reformiertem Verständnis findet die Taufe grundsätzlich in einem Gemeindegottesdienst statt. „Die Gemeinde bezeugt durch ihre Anwesenheit ihre Mitverantwortung für das Leben der Getauften und nimmt sie in ihre Fürbitte auf“, heisst es in der Kirchenordnung. Diese Bestimmung war in der Kirchensynode unbestritten. Gerungen wurde hingegen um eine Formulierung für eine Ausnahme von dieser Regel, um Taufeltern, die in diesem Punkt Vorbehalte und andere Vorstellungen haben, entgegenkommen zu können. Letztlich fand sich eine Mehrheit für die Formulierungdes Kirchenrates, die den Pfarrerinnen und Pfarrern die Möglichkeit gibt, Taufen in begründeten Fällen auch ausserhalb des Gemeindegottesdienstes vorzunehmen. Kirchenrat Andrea Marco Bianca erinnerte daran, dass eben diese Taufpraxis – auch in Privathäusern und im Kreise der
Verwandtschaft und Familien – im Laufe der Zürcher Kirchengeschichte immer wieder gang und gäbe war. Als Mehrwert für die Änderung nannte Andrea Bianca ein Signal der Offenheit gegenüber
Taufeltern, die ihr Kind zur Taufe bringen möchten.

Grössere Offenheit bei Trauung und Abdankung
Ähnliche Signale einer leichten Flexibilisierung gab die Kirchensynode auch bei der Ortswahl der
Trauungen und der Abdankungen. Auch hier hält die Kirchenordnung im Grundsatz zwar weiterhin
fest, dass Trauungen und Abdankungen in der Kirche respektive Abdankungshalle stattfinden. Aber
Pfarrpersonen können auf Wunsch des Brautpaares respektive der Angehörigen die Feier an einem
anderen Ort durchführen. „Pfarrpersonen werden damit nicht zu Dienstleistern“ stellte die Präsidentin
der vorberatenden Kommission, Jacqueline Sonego Mettner, klar. Die Entscheidung bleibe bei
den Pfarrerinnen und Pfarrern. Gerade Hochzeiten oder Taufen seien oft die Nahstellen, bei denen
auch kirchenfernere Menschen in Kontakt mit der Kirche kämen. Im vorbereitenden Gespräch biete
sich dann den Pfarrpersonen die Gelegenheit zu zeigen, was der reformierten Kirche wichtig ist und
welche Bedeutung den Sakramenten und kirchlichen Handlungen innewohnen.

Die Kirchensynode führt die Beratung der Teilrevision der Kirchenordnung am 10. April und am 8.
Mai weiter. Sie wird sie bis spätestens am 15. Mai zuhanden der Urnenabstimmung verabschieden.
Die Volksabstimmung ist für den 23. September 2018 vorgesehen.
Bereitgestellt: 04.04.2018     
aktualisiert mit kirchenweb.ch