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Petra Rüdisüli

Garantiertes Minimum für kleine Kirchgemeinden

Synode - 20160600 Sitzungssaal<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>480</div><div class='bid' style='display:none;'>5334</div><div class='usr' style='display:none;'>89</div>

Der Kirchenrat möchte das System der Zuteilung der Pfarrstellen an die Kirchgemeinden in Zukunft klarer, berechenbarer und letztlich auch gerechter gestalten. Dem stimmte die Kirchensynode im Rahmen der Teilrevision der Kirchenordnung zu, schützte aber die kleinen Kirchgemeinden. Weiter wird die Wohnsitzpflicht für Pfarrerinnen und Pfarrer gelockert und die Zeitung «reformiert» künftig allen Mitgliedern unentgeltlich zugestellt.

Bericht zur reformierten Kirchensynode vom 10. April 2018,
Kirchgemeinden sollen für ihr Pfarramt in Zukunft pro 200 Mitglieder 10 Stellenprozent erhalten. Damit wird die Zuteilung der Pfarrstellen grundsätzlich linear geregelt, was tendenziell grösseren Kirchgemeinden zugute kommt. Diese bzw. solche mit mehr als 2000 Mitgliedern bekommen zudem noch weitere Stellenprozente zugesprochen. Zu diesen zwei Steuerungselementen kommt noch ein drittes dazu: Der Kirchenrat kann einer Kirchgemeinde noch zusätzliche Stellenprozente zuteilen, wenn ein Projekt oder besondere örtliche Verhältnisse dies nahelegen.

Durch dieses stringentere System entfallen die bisherigen Ergänzungspfarrstellen und Zusatzdienste, mit denen die Lücken in der bisher grobmaschigeren Regelung überbrückt wurden. Statt des Kredites für die Ergänzungspfarrstellen wird die Kirchensynode künftig ein «mittleres Quorum» festlegen, aus dem sich das Gesamt der im Kanton zur Verfügung stehenden Stellenprozente ergibt. Für die Amtsdauer 2020‒2024 der Pfarrerinnen und Pfarrer beträgt dieses Quorum gemäss Übergangsregelung 1650 Mitglieder pro 100 Stellenprozent. Mit diesem Richtwert wurde schon bisher als einer Art internem Quorum operiert.

Heute besteht in jeder Kirchgemeinde, unabhängig von ihrer Grösse, ein Pfarramt mit mindestens 60 Stellenprozent. Kleinere Kirchgemeinden kämen mit der neuen Regelung stärker unter Druck. Entsprechend leisteten ihre Vertreter in der Kirchensynode Widerstand. Sie sprachen von «Tabula rasa», von «Abwürgen des kirchlichen Lebens» und wiesen darauf hin, dass eine Kirchgemeinde mit weniger als 50 Stellenprozent im Pfarramt nicht funktionieren könne. Entsprechend wurde von Lukas Maurer, Rüti, der Antrag gestellt, ein Minimum von 50 Prozent zu gewährleisten.

Kirchenratspräsident Michel Müller betonte, dass es nicht um eine Bewertung der Lebendigkeit von Kirchgemeinden gehe, ob sie nun klein oder gross seien. Und mit Blick auf den Finanzausgleich wies er darauf hin, dass es etwas seltsam anmute, wenn auf die Gemeindeautonomie gepocht werde, obschon die Stellen nicht selber finanziert werden, zumal kleine Kirchgemeinden heute bezüglich der Anzahl Mitglieder mehr Stellenprozente hätten als grosse. Müller räumte ein, dass es sich beim neuen System durchaus um eine Lenkungsmassnahme handle, dass der Kirchenrat aber eben überzeugt sei, dass Kirchgemeinden mit 2000 und mehr Mitgliedern für die Herausforderungen der Zukunft besser aufgestellt seien.

Die Befürchtungen der kleinen Kirchgemeinden vermochten dennoch zu überzeugen: Mit einer knappen Mehrheit von 48 zu 46 Stimmen folgte das Kirchenparlament dem Antrag Maurer. Ein Änderungsantrag der Evangelisch-kirchlichen Fraktion, auch die Pfarrämter in Spitälern und Gefängnissen einzubeziehen, fand keine Mehrheit.

Wohnsitzpflicht wird gelockert
Die Wohnsitzpflicht für die Pfarrerinnen und Pfarrer soll gelockert werden. Während gewählte Pfarr-personen bisher nur ausnahmsweise nicht in der Kirchgemeinde wohnen mussten, soll künftig we-nigstens ein Pfarrer oder eine Pfarrerin in der Kirchgemeinde wohnen. Die Kirchensynode stimmte allerdings auch einem Antrag von Annelies Hegnauer, Zürich Schwamendingen, zu, dass die ein-zelnen Kirchgemeinden die Wohnsitzpflicht lokal erweitern können. Im Weiteren bestätigte die Kir-chensynode die Rückkehr zur stillen Bestätigungswahl der Pfarrerinnen und Pfarrer. Eine Wahl an der Urne erfolgt nur, wenn keine stille Wahl zustande kommt.

«reformiert» wird Mitgliederzeitung

Die Kirchensynode stimmte schliesslich zu, dass die Kirchgemeinden die Zeitung «reformiert» künf-tig allen Kirchenmitgliedern unentgeltlich zustellen. De facto ist das von einem Trägerverein her-ausgegebene «reformiert» schon heute eine Mitgliederzeitung, doch bis anhin lag der Entscheid, ob das Blatt den Mitgliedern zugestellt wird oder nicht, bei den einzelnen Kirchenpflegen. Neu be-zeichnet die Kirchenordung «reformiert» explizit als Zeitschrift für die Mitglieder der Landeskirche; finanziert wird sie weiterhin von den Kirchgemeinden.

Eine Minderheit der vorberatenden Kommission lehnte die Neuerung ab. Peter Schmid, Bäretswil, pochte auf die Gemeindeautonomie und vertrat die Auffassung, dass die Finanzierung von «refor-miert» über die Zentralkasse der Landeskirche erfolgen müsse, wenn die Zustellung des Blattes verbindlich sei bzw. dass eben diejenigen bestimmen, die bezahlen. Zudem beurteilt Schmid «re-formiert» als zu unabhängig und in der Berichterstattung teils als zu einseitig, um als offzielles Pu-blikationsorgan der Landeskirche zu gelten. Einzelne Synodale schlossen sich dieser Sichtweise mit Verweis auf die kritischen Stimmen in der letztjährigen Vernehmlassung an.

Die Synodalen folgten schliesslich der Kommissionsmehrheit bzw. dem Kirchenrat und damit auch einer Motion von Annelies Hegnauer, die 2016 ebenfalls die verbindliche Zustellung von «reformiert» forderte. Hegnauer und auch der das Geschäft vertretende Kirchenrat Andrea Marco Bianca argumentierten, dass «reformiert» einen weiten Fokus habe und sich v.a. auch an jene Mitglieder wende, «die ihre Mitgliedschaft nicht ausschliesslich von einer Gemeinde her verstehen, sondern z.B. aufgrund von Distanz und Mobilität sich einfach allgemein zur reformierten Kirche zugehörig fühlen». Bianca wies zudem darauf hin, dass es ohnehin die Kirchgemeinden seien, die «reformiert» bezahlen würden, ob nun direkt oder über den Beitrag an die Zentralkasse. Entsprechend wurde auch ein Antrag von Cornelia Paravicini, Volketswil, abgelehnt, die Landeskirche zur Herausgeberin von «reformiert» zu machen.

Die Kirchensynode führt die Beratung der Teilrevision der Kirchenordnung am 8. Mai weiter. Sie wird die Kirchenordnung bis spätestens am 15. Mai zuhanden der Urnenabstimmung verabschieden. Die Volksabstimmung ist für den 23. September 2018 vorgesehen.

Bereitgestellt: 12.04.2018     Besuche: 13 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch