Petra Rüdisüli

«Du siehst mich»

DEKt34_Gastgeberschaft_04-DEKT, Erbe<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>480</div><div class='bid' style='display:none;'>5314</div><div class='usr' style='display:none;'>89</div>

Über die Auffahrtstage fand in Berlin und in der Reformationsstadt Wittenberg der 36. deutsche evangelische Kirchentag statt. Eine Gruppe aus Rüti, Dürnten und Grüningen war dabei. Ein paar persönliche Eindrücke.
Galina Angelova Meier,
Eröffnet wurde der Kirchentag am Mittwochabend mit drei Gottesdiensten vor eindrücklicher Kulisse: am Brandenburger Tor, auf dem Platz der Republik und auf dem Gendarmenmarkt.

Über 2500 Veranstaltungen wurden angeboten, viele davon im Messegelände: Vorträge, Konzerte, Workshops, offenes Singen, Bibelarbeiten und Tagzeitengebete.
Den Gottesdiensten und Bibelarbeiten lagen Bibeltexte zu Grunde, die einen Bezug zur Kirchentags-Losung haben. Die Losung «Du siehst mich» stammt aus dem Buch Genesis. Es ist die Erkenntnis von Hagar, einer jungen Frau, die mit ihrem Kind auf der Flucht ist. Ihr ist Unrecht geschehen. Gott sieht sie, erkennt ihre Not und gibt Rat. Hagar fühlt sich wahrgenommen und beachtet. Das gibt ihr Ansehen. Daraus schöpft sie Kraft.

Angesehen sein, wahrgenommen werden, wirklich gemeint sein – diese Sehnsucht ist gross, damals wie heute. Einander zu sehen und zu achten, darum ging es immer wieder. Ein Höhepunkt war ein Podiumsgespräch mit Barack Obama und Angela Merkel über Demokratie, direkt vor dem Brandenburger Tor. Moderiert wurde das Gespräch von Prof. Dr. Christina Aus der Au, Schweizer Theologin und Ethikerin, die in diesem Jahr als Kirchentagspräsidentin amtet. Auffallend viele TeilnehmerInnen waren junge Menschen, auch viele der freiwilligen HelferInnen.

In der Stadt hatte ich das Gefühl, dass der Kirchentag präsent und akzeptiert ist, die Medien berichteten aktuell davon. Auf der Strasse wurden wir mit «Jesus loves you» begrüsst, in der U-Bahn wurde
gesungen.
Als Pendant zu den grossen Veranstaltungen fanden in den Quartieren, in Berlin «Kiez» genannt, Gebete, Gottesdienste und Konzerte statt. Wir wohnten im Prenzlauer Berg und besuchten das Abendgebet in der nahen Gethsemane Kirche.

Während dieser reich gefüllten Tagen spürten wir den besonderen Geist des Kirchentags:
die offene und friedliche Stimmung, die Begegnung zwischen Christen verschiedener Generationen, die Vielfalt theologischer Ansichten. Man wollte miteinander im Dialog sein und fragte sich, was die Kirche für die Gestaltung der Gesellschaft beitragen könnte.
Den Abschlussgottesdienst mit Abendmahl feierten wir in einer Sonntagsgemeinde von 100 000 Personen auf der Elbwiese vor der Lutherstadt Wittenberg, passend zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation. Eine bewegende und unvergessliche Erfahrung. Im Bus, der uns zurückbrachte,
ergaben sich Gespräche. Neben mir sass die Bischöfin von Nord-Island, auf der anderen Seite der Bischof von Sachsen.
Ich wurde nach Skagafjördur und nach Dresden eingeladen. Auch das ist Kirchentag.
Pfrn. Galina Angelova Meier, Pfarrerin in Rüti, wohnhaft in Thalwil
Bereitgestellt: 22.06.2017     Besuche: 30 Monat 
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