Petra Rüdisüli

"Himmelwärts"

Berge<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>480</div><div class='bid' style='display:none;'>5204</div><div class='usr' style='display:none;'>89</div>

Seit dem 5. Jahrhundert feiern die Kirchen Christi Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern. Jesus fuhr auf in den Himmel, wo er neben Gott inthronisiert wurde – so erzählt es religiöse Dichtung. Was bedeutet das für unsere Sicht auf den «Himmel»?
Jürg-Markus Meier,
Von Thales, einem griechischen Philosophen wird erzählt:
Der Weise versuchte die Himmelsgesetze zu erforschen, nach denen sich Sonne, Mond und Sterne bewegen. Beim Gehen blickte er selbstvergessen in den gestirnten Himmel. Dabei fiel er eines Tages
in eine sehr irdische Grube. Seine Magd soll dabei gelacht und ihm zugerufen haben:
«Du kannst nicht sehen, was dir zu Füssen liegt, und meinst erkennen zu können,was am Himmel vor sich geht!»
Das sind Worte einer erfahrenen Magd, die mit beiden Füssen auf dem Boden der Tatsachen
steht. Hat man den Glauben nicht oft so verstanden? Gut ist der Erde treu zu bleiben.
Nur, so ist es eben nicht.

Die Geschichte des Fortschritts zeigt: Es braucht Forscher wie Thales, die wagen neue Entdeckungen
zu machen. Sie wollen über das bisherige Wissen hinaus aufsteigen und etwas verändern. Und Gott steht dieser Sehnsucht nach oben nicht entgegen. Es ist gottgewollt, dass der Mensch sich aus dem Staub aufrichten kann. Sein aufrechter Gang adelt ihn – sein Streben in die Höhe ist menschlich. Der Bergsteiger weiss es, je höher man kommt, desto weiter reicht der Blick. Weitblick und Überblick, das ist eine Chance zur Entwicklung, aber auch zur Macht. Nur, wer immer höher hinaus will, könnte auch einmal tief fallen. Deshalb empfiehlt es sich, auch den Weg in die Tiefe nicht zu vergessen. Aus der Tiefe schöpfen wir Lebenskraft und Leidenschaft. Es ist der Weg hinauf und hinab, der unsere Grösse menschlich macht.

Damit sie es bleibt, sollen wir den Weg hinauf nicht verwechseln mit dem Verlangen, den Himmel zu stürmen, jene höchste Höhe, die die Bibel den Himmel Gottes nennt. Setzt sich der Mensch an Gottes
Stelle, kehrt sich seine Grösse in Wahn und zerstört seine Freiheit. Der Himmel muss nicht gestürmt werden. Oben gibt es keinen Satan mehr, der die Menschen anklagt. Es gibt nur noch einen Fürsprecher. Es gibt kein Gericht, sondern nur die Liebe Gottes, von der nichts trennen kann.
Mit der Himmelfahrt Jesu feiern Christen die Verwandlung des Himmels. Als Jesus in den Himmel einzog, bekam Gott ein menschliches Gesicht.
Pfr. Jürg-Markus Meier
Bereitgestellt: 18.04.2017     
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