Petra Rüdisüli

«Denn ungeheuer ist der Vorsprung Leben»

flickr.com/Matthias Ott —  https://www.flickr.com/photos/matze_ott/2453730643/in/photolist-4JQ1CK-4qzeH9-3NJ8q1-4hiFan-4C6abN-4ktxiV-3fw1Mr-4kxz1w-4C1RXe-2KNwxA-2RxBVA-4chS7x-4n2nBo-2RxCs1-2RtcgT-2Rtcap-2RxS6y-2RtcsR-2RtcBv-4C7mwm-4pZdJU-2UrCe8-4C8jEL-4k5ZkY-2kBEMo-4qz8V3-4kug5F-4kPwRj-4kebps-4s3WE2-4kaahv-4cg125-4C9F4o-4ADsCc-4EPg2A-4qVyJd-2Rtr68-4yzV4P-4dJNTC-4C34rn-4EjxKc-4uM9gU-2MKdBy-2KNw89-4CAk3M-4kPBgJ-4pLYtr-2RxYnd-4EL12T-2RtrpM<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>kirche-thalwil.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>480</div><div class='bid' style='display:none;'>5197</div><div class='usr' style='display:none;'>89</div>

Die Frauen der Jesusbewegung finden am Morgen des dritten Tages nur ein leeres Grab. Der klare Befund der vergangenen Tage wird zu einer Zumutung für die kommende Zeit.
Jürg-Markus Meier,
Das leere Grab nötigt zu einem Blickwechsel. Die zitierten Worte im Titel stammen aus einem Gedicht des jüngst verstorbenen Dichters und Pfarrers Kurt Marti. Mit Poesie und treffenden Sprachbildern wirbt der Dichter immer wieder für diesen österlichen Blickwechsel.
Wenn er im zitierten Text schreibt «ein grab greift tiefer als die gräber gruben // denn ungeheuer ist der vorsprung tod» – dann drückt dieses Bild das Ereignis von Karfreitag aus. Jesus ist gescheitert, seine Nachfolger flüchten aus Jerusalem und verstecken sich. Ihre Hoffnung scheint begraben.
Doch es folgt am dritten Tag die Entdeckung des leeren Grabes. Der Dichter drückt dieses Staunen so aus, «am tiefsten greift das grab das selbst den tod begrub // denn ungeheuer ist der vorsprung leben». Jesus lebt!
Diese Ostererfahrung muss für die ersten Zeuginnen wahrlich ungeheuer gewesen sein.

Und die weiteren Begegnungen mit dem Auferstandenen machen deutlich: sein Auftrag geht weiter. Es bleibt nicht alles beim Alten – es geht nicht alles weiter wie immer. Es geht um diesen «Vorsprung Leben» und der soll konkret werden. Konkret wird er, weil Jesus auferstanden ist um «weiterzuwirken
für unsere Befreiung». Nicht in ferner Zukunft, sondern heute und jetzt schon. Der Befreier lebt und ruft die Lebenden zur Auferstehung hier auf Erden.
Das hat bei Kurt Marti auch eine politische Dimension, wenn er in einem Lied (RG 487) sagt, der Befreier ruft uns jetzt alle «zum Aufstand gegen die Herren, die mit dem Tod uns regieren».

Folgt man dem Dichter Marti, ist nicht nur der Einzelne, sondern auch die Gemeinschaft gefragt, diesen österlichen Blickwechsel zu vollziehen. Zu prüfen, welche Mächte oder «Herren» die Lebenskraft einengen, Unrecht beim Namen zu nennen und die Stimme zu erheben gegen die
Angstmacherei in unserer Gesellschaft.
Als Gemeinde sind wir gefragt, uns unermüdlich, fantasievoll und mit österlicher Freude von diesem «Vorsprung Leben» leiten zu lassen.
Pfr. Jürg-Markus Meier
Bereitgestellt: 17.03.2017     
aktualisiert mit kirchenweb.ch